Are you veda? Yes, we gan!

Und die Werbefuzzies machen Rucola zum Trendsalat!
Wenn’s Unkraut aus dem Ausland kommt, hat’s Glück gehabt!

(Rainald Grebe, „Wortkarger Wolfram“, 2004)

12 Jahre ist es nun her, dass Grebe diese klugen Worte gefunden hat. 12 Jahre Trend-Food, Diäten-Wahn, Ernährungs-Docs und Food-Trucks, Abgrenzung der „Gesunden“ von uns, dem kranken Pack, das immer noch gerne mal ein gutes Stück Fleisch zubereitet und es sich dann voller Genuss gönnt, am liebsten zusammen mit ebenso ekligen, kranken Freunden.

Kluge Worte sind es von Grebe nicht, weil er sich gegen Rucola ausspricht, sondern er à point den eigentlichen Grund für all die Auswüchse benennt, die zum immer religiöser und spaltender anmutenden, immer mehr ausgrenzenden Verhalten von den Überzeugten führen.

Vor 12 Jahren waren es noch Werbefuzzies, die die Kontrolle darüber hatten, was wir über Essen denken sollen. Heute sind es Food-Blogs und besonders die Blogger/innen, die es dazu noch in die klassischen Medien geschafft haben. (Alt, wie ich auch bin: ein Hoch auf Martina und Bernd! Die kochen einfach mit Lust und lecker, mit viel Bewusstsein für gute Produkte und den Umgang mit ihnen, aber ganz ohne Ideologie außer der für guten Geschmack.)

Damit mich niemand falsch versteht gleich in meinem ersten Post… Es ist ja nicht so, als würde gründliches Nachdenken und würden wissenschaftliche Experimente spurlos an mir vorbei gehen. Das Gegenteil ist der Fall.

Nun ist es aber auch so, dass etwa die ayurvedische Küche keine neue Erfindung ist. Neu ist bloß, dass sie als eine von vielen Schweinen durchs Dorf der Ernährungs-Interessierten und -„Docs“ getrieben wird. Die viel üblicheren Erscheinungen dieser gesteuerten Massen-Hysterie sind vegane Gerichte auf den Speisekarten ehemals traditioneller Gasthäuser, deren Inhaber sich vom Druck der Medien (insbesondere der neuen) dazu genötigt fühlen, neben Schäufele, Wiener Schnitzel, Schweinsbraten auch einen Gemüsebratling anbieten zu müssen. Und entsprechend schmeckt er meistens.

Sogar Restaurants, die bereits von Anfang an auf einem Trend reiten, etwa auf dem eines guten, „fairen“ Burgers, wie das jedenfalls hierzugegend regional gehypete „Hempels“, fallen da negativ auf. Mein Veggie-Chilli-Cheese schmeckte:

  • nicht einmal lauwarm, sondern höchstens laukault
  • nach laffem Bun, nicht einmal ein bisschen angeröstet
  • labberig, nämlich der Salat
  • langweilig, nämlich die Soßen

Kurz: lieblos.

Und dabei habe ich noch gar nichts über das Patty gesagt. Ein Gemüsebratling wie aus… nicht dem 1. Lehrjahr, sondern aus dem 1. Lehrmonat. Krümelig, laff, langweilig, einfach schlecht.

Kurz: wieder lieblos.

Wieso bauen Burger-Buden, die so sehr auf Hype und Trend reiten, so einen langweiligen Krümelkram zusammen? Im besten Fall könnte man hoffen, dieser Laden möchte seine Gäste unbedingt vom Fleischgenuss überzeugen. Wahrscheinlich werden sie aber von gehypeten Gästen besucht, die nach veganen Burgern fragen, und sie haben sich gedacht, puh, da müssen wir mal was machen!?

Das Personal: hübsch, zuvorkommend, herzlich. Das Essen: ohne Ahnung, und, noch schlimmer: ohne Liebe.

Der Veggie-Burger im „Hempels“ schmeckt jedenfalls genau so, wie ein Fleischesser sich vegetarische (von veganer ganz zu schweigen) Küche vorstellt: krümelig, asketisch, verharmt, lieb- und geschmacklos, aber zutiefst vom Glauben an das Bessere beseelt. Im Mund hatte der „Bratling“ so viel Erotik wie sein Name, in etwa so, als würde man rohe Reiskörner wegen „du weißt schon wieso“ Energiesparen im Mund gar lutschen sollen und dabei auf einem Bein stehen.

Der Veggie-Burger im „Hempels“ erinnert an die christliche Religion: Das Hier und Jetzt ist ja nur eine Prüfung. Schon deswegen, weil dieser Burger im „Hempels“ kein Einzelfall ist, sondern der Standard bei fast allen Restaurants, die Menschen ansprechen wollen, die neugierig sind in Sachen vegetarischer und veganer Küche. So jedenfalls holt man diese Leute (wie mich) sicher nicht ab.

Sowas isst man, wenn man Überzeugungstäter ist oder Greta Thumberg als Hintergrund auf dem Handy hat. Sowas isst man sicher nicht, weil es schmeckt.

Genau da liegt der vegane Hasenbraten in der Sah… Mandel-Soße. Dieser unbedingte Bekehrungsdrang bringt eine ganze Industrie hervor, eine Industrie, deren Prediger:innen sich für keinen chemischen Zusatz und keinen Verarbeitungsschritt mehr schämen, um ihr Credo „Aber die Tiere! Aber die Umwelt!“ während ihrer Kreuzzüge zum Glück nicht mehr mit Feuer und Schwert, aber doch mit sozialer Missachtung und Ausgrenzung durch die fleischlich-genüsslichen Heiden zu treiben. Neulich in der Mittagspause… „Du isst echt noch Fleisch? Oh, na ja… die Marie hat gar nicht morgen Geburtstag, die Einladung an eure Alina, du, das war echt ein Versehen…“

Rezept für „Vegane Burger Patties Veggie Einhorn“ von LIDL:

Zutaten:

  • Trinkwasser
  • Champignons eingelegt (Champignons, Trinkwasser, Säuerungsmittel: Citronensäure, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure)
  • Kokosnussfett 9%
  • Erbseneiweiß 7,4%
  • Weizeneiweiß
  • Rapsöl 3,8%
  • Sojaeiweiß (Herkunft: Europa)
  • Emulgator: Methylzellulose
  • Gewürze: Hefeextrakt, Aromen, Erbsenextrakt
  • Speisesalz
  • Färbendes Lebensmittel: Rote-Bete-Saftkonzentrat
  • Bambusfaser
  • Konservierungsstoffe: Kaliumsorbat, Natriumacetate
  • Gewürzextrakt
  • Raucharoma

Da is(s)t die Alina echt froh, dass sie sich diesen Chemiebaukasten nicht geben muss. Die kluge Alina weiß nämlich auch, dass Ascorbinsäure nicht weiter schädlich ist, sondern gemeinhin „Vitamin C“ genannt wird, dass aber so manche Hersteller so mancher Limonaden aus 95% Wasser und 4,9999% Zucker das Antioxidationsmittel Ascorbinsäure vor gar nicht so langer Zeit groß auf dem Etikett als „Mit der extra Portion Vitamin C“ beworben haben. Nachdem Saccharose, also der gemeine Haushaltszucker, als Übeltäter (der er wirklich ist) identifiziert wurde, haben die Hersteller ihn durch Glukose ersetzt. Der ist genauso ungesund, aber billiger. Ich persönlich plädiere für Honig. Nicht, weil Honig wesentlich gesünder wäre als Würfelzucker, aber eine steigende Nachfrage nach Honig würde dem Insektenschutz gut tun, und Insekten brauchen wir nun wirklich dringend viel mehr.

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